Haarige Biografie

Haarige Biografie

Wie wohl viele von uns bin auch ich als blondgelocktes Mädchen durch die ersten Lebensjahre gehüpft. Mit dem ersten Haarschnitt verwandelten sich die weich springenden Löckchen in erstaunlich gerade Spaghetti. Und mit jedem weiteren Haarschnitt transformierte sich das goldene Blond zu einem täglich tausendfach gesehenem Aschblond. Anfangs 80er nicht die Wunschfarbe! Zum Glück eroberte der Coup-de-Soléil den Markt und rettete mich mit gesträhnten, goldfarbenen Haaren. Die Dauerwelle, oder wie damals hip formuliert die «Mini-Vague», zauberte ein gigantisches Volumen auf meinen Kopf. Wenn dann noch mit einem Frottee-Stirnband der unverzichtbar sportliche Touch von Jane Fonda erreicht wurde, dann war das der Moment, in dem ich mich Gott ganz nahe fühlte 😉 Der Spliss, der sich masslos ausbreitete, nötigte mich in keiner Art und Weise. Im Gegenteil! Je kaputter die Haare umso voluminöser und ausgebleichter entfalteten sie sich.

Die Henna-Phase löste die Blond-um-jeden-Preis-Tortur ab. Glänzen mussten sie, die violett-rötlichen Haare … nicht einfach mit meinem Filz auf dem Kopf! Langwierige Regenerations-Kuren folgten und regelmässiges Schneiden. Mit dem Versuch eines Pagenschnitts, der mich aussehen liess wie Miss Money Penny von 007, verlor ich meine Identität. Der Look des Surfer Girls brachte mein Naturel wieder zum Strahlen. Um den Beachlook zu vervollkommnen, half ein Bleichungsspray nach. Wieder litten meine Haare, aber das war es mir wert.

Schliesslich hielt die Technowelle in den 90ern Einzug. Sie lullte mich voll und ganz ein. Weg mussten sie, die Haare, am liebsten eine Glatze. Ich traute mich jedoch nur bis 2 cm an die Kopfhaut ran, dafür wurde mit Farbe experimentiert. Von Platinblond über ferrarirot zu schwarz, die Lust am Ausprobieren war grenzenlos. Auch am Vokuhila kam ich nicht vorbei und es fühlte sich richtig an! Damals war ich überzeugt, dass ich nie mehr in meinem Leben lange Haare tragen würde. Extrem musste es sein und auf keinen Fall alltäglich oder schön. Das Ausbrechen aus der Norm tat mir gut. Das war so um die 40 rum. Mitte 40 beobachtete ich, dass mein Gesicht markanter wurde. Erfreut stellte ich fest, dass aus dem eher langweiligen, schönen Gesicht ein Charaktervolles wurde. Das gefiel mir und brachte mich weg vom lustigen, schrägen Kopfschmuck.

Wie ich wohl aussehen würde ohne äussere Manipulation?

Ich entschied mich, meine Haare einfach mal gedeihen zu lassen, ohne Farbe, ohne bleichen. Ich kämpfte mich mit immer zusammen gebundenen Haaren durch die schwierige Zeit der Halblänge, bis sie über meine Schultern fielen. Was für ein schöner Moment das war. Jetzt war ich mir sicher, dass ich mich nie mehr in meinem Leben von langen Haaren trennen würde. Nach Jahrzehnten entdeckte ich meine wirkliche Haarfarbe wieder, braun. Na ja, spannend fand ich das nicht, es war auch eher ein aschbraun … aber sie glänzten vor Gesundheit und mit meinem immer charaktervolleren Gesicht war das eine gelungene Kombi. Eines Morgens dann entdeckte ich in der Mitte meiner Stirn am Haaransatz ein schneeweisses Haar, das sich leuchtend hervorhob. Aha, jetzt ist es soweit!

Dass dies ein absolutes Horrorszenario für mein gesamtes Umfeld war, beobachtete ich seit Jahren. Nichts wird ausgelassen, um diesem schrecklichen Übel Abhilfe zu leisten. Tönen hilft nicht, also wird gefärbt! Leider sieht das oft aus, als hätte man einen Helm auf dem Kopf. Andere investieren neben dem Färben viel Zeit und Geld, um eine gewisse Natürlichkeit mit Strähnchen zurück zu gewinnen. Das hilft, finde ich, doch die ungeliebte graue Autobahn am Ansatz ist auf sicher wie das Amen in der Kirche. Diese grauen Scheitel, die von weitem aussehen als hätte man kaum mehr Haare auf dem Kopf, die sind nun wirklich alles andere als sexy!

Was mach ich denn jetzt?

Mein erstes «graues Haar» zog ich aus. Natürlich kam das nächste, diesmal waren es zwei, weg damit. Als sie sich merklich vermehrten, betrachtete ich mich ganz unvoreingenommen im Spiegel und fand, dass die Beschreibung grau völlig falsch war für diese schneeweiss wirkenden Haare. Und zusammen mit meinen braunen schimmerten sie silbern. Wow, wenn das nicht schön ist, silbern schimmernde Mêches! Mein ganzes Leben verbrachte ich damit, meine Haare spannend zu machen. Nun hatte ich diese Strähnchen von der Natur gegeben. Ich entschied mich an diesem Morgen abzuwarten wie sich das Ganze entwickeln wird und ob das edle Schimmern vielleicht ein absoluter Segen sein könnte.

Das ist nun gute 10 Jahre her. Und wenn ich mir heute für etwas aus tiefstem Herzen danke, dann, dass ich mich vom Mainstream nicht beeinflussen liess.

Ich werde oft gefragt, wie ich das hingekriegt habe, dass meine Haare so schön silbern wären. Da gibt es nichts hinzukriegen, einfach nur spriessen lassen und NICHT färben!

Ein schöner Nebeneffekt, man spart viel Zeit und viel Geld!

Herzlich,

Helen, die mit den silbernen Haaren

Die Oberfläche interessiert mich, vorallem wenn man dran kratzen kann. Ich liebe es, Dinge zu hinterfragen, die Komfortzone zu verlassen, neue Türen zu öffnen und authentisch, bewusst und empathisch durchs Leben zu gehen. Als Künstlerin gebe ich weissen Flächen Lebendigkeit, als Fotomodel gebe ich Dingen ein Image, als Hair & MakeUp Artistin lasse ich Gesichter strahlen und als Trainerin für Körperhaltung & Tiefenmuskulatur fördere ich die Ausstrahlung und Gesundheit vieler Menschen. Meine Töchter bezeichnen mich als modernen, inspirierenden, eleganten Hippie, der das Leben spüren will und sich voll und ganz hineingibt.

Dominique says:

Soooooo en geile Text & d‘ Message dehinder absolut super – LOVE IT!!! Danke 😀

Rea says:

Super geschrieben erkenne ich mich fast in allen Haar-Angelegenheiten wieder. Die Erlösung habe ich noch nicht geschafft, aber ich freue mich insgeheim darauf, dass ich eines Tages das weiss-grau akzeptieren kann. Du inspirierst mich dabei!

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