Japanische Beauty-geheimnisse II: „Functional“ Food Nippon-Style

Japanische Beautygeheimnisse II: „Functional“ Food Nippon-Style

Was mich in Japan stets interessiert hat: Alles, was man isst oder trinkt, hat dort nebst dem Genuss noch einen alt hergebrachten, übergeordneten Zweck. Algen (z.B. Wakame oder Konbu) machen schöne Haare, Okra ist gut für den Magen, Konnyaku (eine ballaststoffreiche und praktisch kalorienfreie Wurzel, aus der z.B. die inzwischen auch bei uns bekannten Shirataki– Nudeln gemacht werden) regt die Verdauung an, Umeboshi, die salzig-sauren, eingelegten Minipflaumen alkalisieren und wirken Blut reinigend: Was man bei uns als «Functional Food» bezeichnet und industriell herstellt, ist in Japan einfach nur Essen. Essen, das nicht nur schmeckt, sondern auch immer der Jahreszeit angepasst wird und guttun soll.

Und wenn es mal Süssigkeiten oder Fast Food sein müssen (beides lieben die Japaner*innen nicht weniger als der Rest der Welt), dann wird das zelebriert und genossen. Und bleibt immer die Ausnahme. Und das ohne gleich ganz in Orthorexie auszuarten. Es hat einfach Tradition, sich bewusst zu ernähren. Diese Haltung widerspiegelt sich auch in der Art, wie Lebensmittel in Japan auch in der heutigen Überflussgesellschaft stets präsentiert und verpackt werden: mit unendlich viel Sorgfalt und Respekt!

Natürlich sind viele japanische Ernährungsweisheiten inzwischen auch bei uns bekannt. Zum Beispiel die vielen Gesundheitsvorteile von grünem Tee oder Matcha-Pulver. Und sicher ist andererseits vieles, was die japanischen Grossmütter noch glaubten, inzwischen überholt. Dennoch glaube ich, dass sich die Japaner mehr Gedanken darüber machen als wir, was sie essen und was die Nahrung in ihrem Körper bewirkt.

Dazu kommt, dass vieles, was früher wohl aus der Not gegessen werden musste, heute zur Delikatesse wurde, oft auch aus Nostalgie. Dafür gibt es unzählige Beispiele, von denen ich in der Folge mal einige in Erinnerung rufen möchte (Heimweh-Alarm…).

Kollagen zum Einnehmen

Als ich in den 80er und frühen 90er Jahren in Japan lebte, war Vegetarismus – ausser bei Mönchen – nicht sehr verbreitet. Von Veganismus war damals sowieso noch nicht die Rede. Im Gegenteil: Ich lernte in Japan, von Tieren Teile zu essen, die man bei uns bestenfalls der Katze verfüttern würde: Hühnerlunge, -herzen, -sehnen! Im Ganzen gegrillte Spatzen. Das schmeckte übrigens nicht mal schlecht, wir (Zwei junge Japanologinnen aus der Schweiz, die eben doch nicht soo gut Japanisch verstanden, wie wir dachten!) erfuhren auch erst im Nachhinein vom netten Betreiber der kleinen Izakaya auf dem Land, dass das Suzume am Spiess kein kleines «Chicken» war, sondern eben ein Spatz… Das beweist, dass wir meist einfach voreingenommen sind, wenn es ums Essen geht: Was wir nicht kennen, essen wir nicht. Dabei isst man entweder Tiere oder nicht. Wieso soll man eigentlich Hühner essen, aber keine Spatzen? Schmecken tut beides recht ähnlich, vor allem mit Yakitori-Sauce…

Weitere Delikatessen im von Meer umgebenen Japan: Krabben-Hirn (schlabberige Paste zum Löffeln) und Fisch-Sperma (Shirako). Habe ich beides mal probiert, ist gewöhnungsbedürftig. Muss man nicht mögen. Aber was mir an all dem gefällt: In Japan ist man wenigstens konsequent karnivor! Und alle oben genannten Speisen passen zum neuesten Hype: Kollagen zum Einnehmen! Nebst zahllosen Pulvern und Drinks, die schon Jahre, bevor der Boom zu uns überschwappte, in Japan allgegenwärtig waren, wird dort alles Tierische, was natürliches Kollagen enthält, besonders gern gegessen: Die Haut von Geflügel oder Sehnen vom Rind («Tendon» vom englischen Wort für Sehne, nicht zu verwechseln mit Ten-Don, der Kurzform von Tempura-Donburi, einer völlig «ungefährlichen» Reis-Bowl mit frittiertem Gemüse und Shrimps! Auch eine fatale Verwechslung, die mir nur einmal passierte…).

Tofu: kein Ersatz für irgendetwas, sondern eine Delikatesse für sich

In Japan habe ich Tofu lieben gelernt. In den 80ern kam ja in der Schweiz erstmals Tofu in die Regale – und wurde gleich zum Reizwort für sture Fleischesser. Allerdings ein wenig zu Recht, denn das, was bei uns als Tofu in den Supermärkten verkauft wurde, schmeckte (zum Teil heute noch) tatsächlich ganz grausam: Gummig, säuerlich, faserig, konserviert. Und wurde dummerweise als Ersatzprodukt für Fleisch vermarktet, was es natürlich zum Scheitern verurteilte.

In Japan ist Tofu kein Ersatz für irgendetwas, sondern eine Delikatesse, die auf eigene Weise gegessen wird und in vielen traditionellen Rezepten wie z. B. Sukiyaki nicht fehlen darf. Oft und gerne kombiniert mit Fleisch. In jeder Einkaufsstrasse in japanischen Städten und Dörfern gibt es neben einem Reishändler, Metzger, Gemüsehändler und Sake-Laden auch einen Toufuya-san, einen Tofuladen. Oft kurven gar kleine Tofumobile durch die Wohnquartiere und verkaufen ihre ultrafrischen Produkte direkt. Japanischer frischer (Seiden-) Tofu hat eine ganz feine Konsistenz und ist geschmacklich nicht zu vergleichen mit unseren Industrieprodukten. Dazu erst noch «high protein» und «low carb»!

Mein allerliebstes Tofu Rezept, das in fünf Minuten zubereitet ist und gerade im Sommer herrlich leicht und erfrischend ist: Hiyayakko.

Zutaten für eine Portion:

  • Ein kleiner Block Seidentofu, abgetropft und trocken getupft
  • 1 Frühlingszwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 2 EL Katsuobushi (getrocknete Bonitoflocken)
  • 2 TL frisch geriebener Ingwer
  • 4 EL Mentsuyu (japanische Nudelsuppenbasis) oder alternativ 2 EL Sojasauce

Alle Zutaten ausser der Sauce auf den Tofublock häufen und dann mit der Sauce überträufeln. Dann einfach mit dem Löffel essen. Das sieht toll aus und ist besser als jeder Proteinshake; vor allem für Leute wie mich, die Salziges lieber mögen als Süsses.

Wer lieber ins Restaurant geht: In Zürich gibt es feine und authentische japanische Küche – und natürlich Tofugerichte – unter anderem bei Bimi oder in der Izakaya Ooki zu geniessen.

(Bild Ooki Zürich)

TIPPS:

Wer doch lieber auf Nahrungsergänzungsmittel setzt als auf abenteuerliche Tierbestandteile, hier einige Produkte, die ich empfehlen kann (Sind aber alle tierischen Ursprungs! «Pflanzliches Kollagen» ist ein Widerspruch in sich, das gibt es leider nicht.):

  • Aus der Schweiz, Hi-Tech aber leider viel zu süss: Xtra Cell Matrix www.swiss-alp-health.ch
  • Schmeckt gut, preiswerter: Cellufine Collagen Drink www.cellufine.de
  • Billig, effektiv und geschmacksneutral: Gelatinepulver aus Drogerie (diverse Hersteller)

In Zürich geboren und aufgewachsen, habe ich zunächst Japanologie studiert, und als mir das Japanisch Lernen nicht schnell genug ging, wanderte ich Ende der 80er Jahre nach Tokio aus, wo ich schliesslich heiratete, 2 Kinder bekam und 10 Jahre lebte. 1997 kehrte ich mit den Kindern in die Schweiz zurück und lebe seit 2003 mit meinem jetzigen Mann und dem gemeinsamen Sohn wieder in der Stadt Zürich. Aus Interesse für das Reisen absolvierte ich eine Zusatzausbildung in Tourismusmarketing, war Kommunikationschefin eines japanischen Kosmetikunternehmens und arbeitete in verschiedenen PR-Agenturen, wo ich hauptsächlich Beauty-, Lifestyle- und Modemandate betreute. Heute organisiere ich Ärztekongresse, habe mir aber die Begeisterung für Beautythemen, Japan, Reisen und das Schreiben bewahrt. Zudem esse, trinke, koche und mixe ich mit Leidenschaft, Exotisches ebenso wie Bodenständiges. Ich liebe die Popkultur, und das ist mir kein bisschen peinlich.

Tian says:

Wieder einmal ein schöner Text und fröhliche Illustrationen ! 💖💖💖

Kathrin says:

Danke liebe Tian! 🥰🤗

chelsea says:

Love it! 😍 Fernweh!

Kathrin Reber Marquardt says:

Dankee! Ja habe auch wieder Heimweh nach Japan…🥺❤️

Simone says:

Liebe Kathrin,

ich habe grad wahnsinnig Lust auf alles, was du beschrieben hast, auch die “gefährlichen” Dinge. Ausser Spatzenhirn würde ich glaub nicht essen, wahrscheinlich weil ich ein paar davon kenne… 😉 Aber sag, wo kriegt man denn den feinen Seidentofu in Zürich? Kennst du den Asia Store beim HB – taugt der was?

Liebe Grüsse
Simone

Kathrin Reber Marquardt says:

Liebe Simone
Das freut mich! 🙂
Also den Shop im HB kenne ich nicht mal… zum kalt essen muss es einfach „silken“ Tofu sein; am besten japanischen, z.B. von Morinaga. Gibt es bei Nishi oder Yumihana oder die deluxe Variante bei Shinwazen (alle haben auch einen onlineshop).
Manchmal bekommt man sogar in Bioläden frischen Tofu aus der Schweiz, aber ehrlich gesagt kaufe ich meistens den importierten… irgendwie schmeckt mir der am besten :-).
Hoffe, das hilft!
Lieben Gruss
Kathrin

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