Kochen, essen, trinken, Sex.

Mickey Rourke war damals noch ein richtiger Schnügel und Kim Basinger die absolute Sexgöttin: Unschuldiger Ausdruck, sinnliche Lippen und bei der kleinsten Erregung sofort gleichmässig verschwitzt, als hätte man sie mit Öl besprüht. Hat man wahrscheinlich auch. Und nicht nur das. In einer Szene vor dem Kühlschrank verführt Mickey die bebende Kim, indem er ihr die Augen verbindet und ihr verschiedenes Essen in den Mund steckt. Süsses und Bitteres und zum Schluss eine Chili, worauf sie dann irre geil einen Liter Milch runterstürzt und dabei die Hälfte über ihren Körper verschüttet. Dann war da noch irgendwas mit einem Eiswürfel und mit Honig. Ich kann mich nicht mehr genau an die Filmszenen erinnern, wahrscheinlich weil die Erinnerung an den Film von eher unangenehmen Erinnerungen der Realität überlagert werden. Denn diesem Film hatten wir es Ende der 80er-Jahre zu verdanken, dass einem ein jeder Liebhaber, der etwas auf sich hielt, mit Honig beschmierte und Essen in den Mund steckte. Letzteres auch gerne im Restaurant. Eine grauenvolle Zeit! Überall Fettflecken und das Bettzeug klebte am Rücken.

Schnell zurück in mein jetziges Alter! In der Lebensmitte führt exzessives Essen und Trinken leider nur zu mehr Fülle um die Leibesmitte. Und zwar nicht als faltenglättende, gleichmässig verteilte Umpuschelung des Körpers. Nein. Alles sammelt sich am Bauch. Evt. auch noch ein wenig am Arsch. Und dort ist dann auch die Stimmung, wenn man mit gefühlten zwei Harassen Bier um den Bauch – die man nur deshalb mit sich trägt, weil man das Bier bereits getrunken hat – auf ein Bike steigt, um einen irrwitzig hohen und steilen Berg hinaufzuradeln, nur um danach in einem irrwitzigen Tempo steil runterzubrettern. Und das alles nur, weil jemand gesagt hat, dass 50 das neue 40 sein soll? Was soll das überhaupt heissen? Dass wir 50er unsere schwer verdiente Lebensweisheit und Gelassenheit aufgeben sollen zugunsten des Lebensgefühls und Körperbewusstseins einer Alterskohorte, der wir seit 10 Jahren nicht mehr angehören? Da lehne ich mich aber lieber mal zurück, trinke ein Glas vorzüglichen Sauvignon Blanc, tätschtle mein Harassenlager um den Bauch und lasse dieses neue 40 sachte an mir vorbeiziehen. Im Übrigen: das Leben mit 50 ist nicht so schwer, wie uns das die Waage vormachen will.

Mein Vorbild ist Isabel Allende, die internationale Bestseller-Autorin, die in Interviews und in ihrem neuen Buch «Was wir Frauen wollen» über sich selber berichtet. Sie brauche Sex immer noch wie ein Teenager, aber sie sei im Alter nicht mehr spontan beim Sex: «Ich brauche Nähe, schummriges Licht, Zuneigung und Marihuana». Und was sich für sie sonst noch mit den Jahren geändert hat: Sie mache nicht mehr so leicht Zugeständnisse. «Keine High Heels mehr, keine Diäten und keine Geduld mit Idioten.»
Allende ist 78. Vielleicht ist ja 50 das neue 78?