Freundschaft - kostbares Gut

Schnee & Zeit

Über dreissig Jahre Freundschaft, das heisst ein langes Gespräch über …you name it…! Die Liste der Lebensthemen wird mit jedem Jahr länger.
Und natürlich ist Sex immer noch ganz oben mit dabei.

Meine Freundin kannte meine lange verstorbenen Eltern, erinnert sich an den Garten meines Elternhauses und an den Namen unseres Familienhundes.
Ich wiederum sass neben ihr und tröstete sie, als ihre betagte Katze starb, wir teilten die Herausforderungen des Studiums und des Theaterberufes miteinander, sie hörte auf mich, als ich ihr riet, ein zu kühles Männerherz zu vergessen, ich verliess mich auf ihr unbestechliches Auge, sie erlebte meine Schwangerschaft und die Geburt meiner Tochter, gab ihr Muttermilch, von der sie so viel hatte, dass es für mein Kind mit reichte, ich sehe ihre Kinder zu Erwachsenen werden, sie trauerte mit mir um meinen Mann, sieht mich lange wieder glücklich an der Seite eines neuen Mannes.
Wir sahen uns stark und schwach, wir sahen uns ringen mit den Dingen des Lebens und jetzt sehen wir uns älter werden.

Das Netz von gemeinsam Erlebtem ist dicht genug, um Zeiten
der Distanz und Dissonanz zu überstehen. Sie ist eine Zeitzeugin meines Lebens und nun schenkt mir diese beängstigende Zeit der Pandemie Zeit mit meiner Freundin.

Was gibt es Schöneres, denke ich während wir durch den verschneiten Park stapfen, als wären wir Gestalten in einem Gemälde von Breughel oder dem Winterwimmelbuch unserer Kinder.

Der Kern der Klischees

Wir erinnern uns an die Schuhe, die wir am gemeinsam gefeierten Jahreswechsel vor 150 Jahren getragen, bei welchem Film wir geweint und welchen Lover wir nie vergessen haben. Jawoll, das sind drei Klischees!
Heisst Klischee rückwärts nicht manchmal Wahrheit, wenn man ganz schnell schaut und die Augen zukneift dabei, weil der Schnee so glitzert?
Wir sehen die Spuren der Jahre in unseren Gesichtern und was wir dagegen tun schneller, als die Männer an unserer Seite sie entdecken.
Wir wissen, wie wir riechen und welches Lachen das wirklich tiefe echte ist.

Kein fragendes Herantasten im Gespräch, wie es oft am Beginn einer möglichen Freundschaft der Fall ist, sondern ein Weiterspinnen am Gedanken- und Gefühlsnetz.

Fazit, bist du das?

Hoffentlich gehen wir noch lange zusammen durch Pärke, über Plätze und Strassen und sprechen miteinander, während wir die Spuren der Jahre in unseren Gesichtern betrachten. Mein Alter hat – noch – kein Gesicht, aber die Ängste, meine Liebsten zu verlieren und mich in keinem vertrauten Gesicht wiederzufinden, die fühle ich in diesen Zeiten besonders.

Freundschaft hilft das Leben ertragen, habe ich einmal irgendwo gelesen. Und so ist alles gut.