Lieber knapp daneben als ganz vorbei.

Lieber knapp daneben als ganz vorbei.

Blicke ich auf meine letzten 50 Jahre zurück, stelle ich fest, dass der eine oder andere Trend kam oder ging. Aber fast alle habe ich verpasst respektive höchstens am Rande oder verspätet miterlebt.

Begonnen hat’s in den 80ern. Klar hörte ich diese Musik auch, doch ausser einer Schallplatte von The Thompson Twins hab ich nichts in dieser Zeit gekauft, das kam erst viel später. Ich stand damals auf Jazzrock und Funk wie mein bester Kollege. Also Mezzoforte, Spyro Gyra oder Level 42 (bevor sie kommerziell wurden, selbstverständlich). In die Wanderdiscos gingen wir nie, da waren die Sballos (gab’s die auch ausserhalb von Baden-Wettingen-Neuenhof?), dafür hörten wir Jazz-Rock live und tanzten dazu. Ein paar ¾-Rüebli-Hosen hatte ich auch, allerdings nicht die mit dem weissen Längsstreifen, die schienen mir etwas zu exaltiert.

 

 

Etwas snowboarden…

Dann kam das Snowboarden, da war ich erst ganz vorne mit dabei. Mit meinem Kollegen aus der Lehre fuhren wir 86/87 in die Flumserberge und mieteten die neuen Bretter, die es damals von «Crazy Banana», «Wild Duck» oder natürlich «Nidecker» gab. Doch meine Haare waren zu kurz, die Sicht oft schlecht, die Bretter sperrig und ich auf Skis immer noch schneller. Deshalb wechselte ich zuerst wieder auf die zwei Latten, um dann mit Mitte 20 endgültig aufs Brett umzusatteln.

…und klettern

Mit selbigen Kollegen ging ich auch klettern – an der Siggenflueh oder auch mal in Südfrankreich. Unsere Helden hiessen Wolfgang Güllich, Ben Moon, Beat Kammerlander oder Stefan Glowacz und abonniert hatten wir das Magazin «Rotpunkt». Aber auch das zog ich nicht durch.

Häuserbesetzer
Apropos «durchziehen»: Das war drogenmässig das Höchste der Gefühle, das ich mir gönnte. Hier bereue ich gar nichts.

Selbst die Häuserbesetzer in der Wolgroth hab ich mal besucht. Einmal aber nur mit meinem anderen Kollegen, der in Zürich studierte und in der WOKO-Siedlung an der Neugasse wohnte.

…und Techno

Und dann kam Techno. Und ja, auch die Street Parade hab ich mal gesehen; mit zwei kanadischen Touristinnen ging’s anschliessend ab an einer Party. Sogar in Arnold Meyers Club hab ich mich mal gewagt: «Steinfels» oder «Toni-Areal» oder wie hiess der schon wieder? Aber so richtig begeistert hat mich diese Musik dann doch nie. Da fühlte ich mich dem Grunge fast schon näher, aber damals musste ich Britpop hören oder wenigstens Fugazzi ab Konserve im Luv. Später hab ich mir dann «Nevermind» gekauft und etwas früher «Nirvana unplugged».

Danach kamen – glaubs – keine weiteren Trends mehr. Jedenfalls keine, dich ich verpasst oder nur halb erlebt zu haben glaube.

Permakultur und Vögel

Dafür mach ich jetzt schon seit fast 18 Jahren quasi Permakultur – biodynamische Landwirtschaft auf meinem Hof konkret. Und dass Ornithologie das neue Yoga wird und ich schon seit einigen Jahren am Vögel beobachten bin, muss ich ja gar nicht erwähnen, oder?

Ich bin Bauer – aber nicht nur, Journalist auch – aber nicht nur, Beizer manchmal, Familienvater immer und Ornithologe zum Teil. Ich bin vieles, weil ich die Vielfalt liebe und wohl deshalb hauptsächlich Bauer bin. Denn beim Bauern ist die Vielfalt integrativer Bestandteil. Mit fortschreitender Jahreszeit ändern die Arbeiten und werden meist auch mehr. Ich verarbeite meine Produkte selber, mache Käse nach verschiedenen Rezepten, Würste ebenfalls. Ich pflanze die höchstgelegenen Artischocken an, kultiviere Kartoffeln rarer Sorten, habe auch schon Safran gepflanzt oder Erdbeeren. Einiges davon auch wieder aufgegeben, beim Safran überleg ich mir aber einen nächsten Anlauf. Wirtschaftsingenieur war ich auch einmal. Aber zugegeben, das ist lange her. Und meine Freunde sagen einfach: Ich bin ein Bauer, der blufft.

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