Die lieben Kleinen

Die lieben Kleinen

Auf dem Bauernhof herrscht Leben pur – im Stall, aber doch auch auf dem Feld.

Ein Bauernhof ist ja ein eigentlicher Quell des Lebens und steht immer wieder an dessen Ursprung. Vorausgesetzt man hält Tiere auf dem Hof und nicht Gemüse. Klar lebt es dort auch, aber es ist dann doch was anderes, einem Kälbchen beim Wachsen zuzusehen als einem Kopfsalat. Auf meinem Hof leben Kühe, Schafe und Schweine, und alle haben sie jedes Jahr Nachwuchs. Das ist das Gesetz der Natur und ein wenig auch der Landwirtschaft.

Rund zehn Kälber kommen jeden Winter zur Welt. Fast alle ohne Hilfe, gebrechlich und noch feucht am Anfang. Von der Mutterzunge geleckt und stimuliert, rasch auf den Beinen und schnell am Euter, um Milch zu saugen. Durchaus stattlich schon zu Beginn, mit grossen, dunklen Augen, langen Wimpern und hellem, weichem Fell. Hübsch, sehr.

Die Ferkel des Wollschweins sind viel, viel kleiner, eine gute Handvoll, gestreift wie Frischlinge der Wildsau. Emsig schon früh und zwecks Wärmespeicherung immer in Haufenformation liegend und bereits wohlig grunzend und fiepend.

Die hübschesten aber sind die Lämmchen der Heidschnuckenschafe. Leicht grösser als die Schweinchen, etwa 3 kg schwer, auch nicht viel mehr als eine Handvoll, aber bereits mit langen, dünnen Beinchen. Und vor allem rabenschwarz und glänzend. Architekten und Designerinnen hätten ihre helle Freude. Das Fell gekraust wie früher die Mützen meiner Grossmutter. Schon nach wenigen Tagen äusserst lebhaft und in der Lage, die tollsten Bocksprünge zu vollführen. Zwei, drei Wochen später zeigen sich bereits die Hornansätze, was die Kleinen etwas wie Teufelchen aussehen lässt, dem «Jöh-Faktor» aber überhaupt keinen Abbruch tut.

Dies wäre erst dann der Fall, wenn sie ins Treibhaus einbrächen und die Artischockensetzlinge frässen. Denn diese habe ich von Hand vom Samen her aufgezogen und schaue ihnen jeden Tag beim Wachsen zu.

Ich bin Bauer – aber nicht nur, Journalist auch – aber nicht nur, Beizer manchmal, Familienvater immer und Ornithologe zum Teil. Ich bin vieles, weil ich die Vielfalt liebe und wohl deshalb hauptsächlich Bauer bin. Denn beim Bauern ist die Vielfalt integrativer Bestandteil. Mit fortschreitender Jahreszeit ändern die Arbeiten und werden meist auch mehr. Ich verarbeite meine Produkte selber, mache Käse nach verschiedenen Rezepten, Würste ebenfalls. Ich pflanze die höchstgelegenen Artischocken an, kultiviere Kartoffeln rarer Sorten, habe auch schon Safran gepflanzt oder Erdbeeren. Einiges davon auch wieder aufgegeben, beim Safran überleg ich mir aber einen nächsten Anlauf. Wirtschaftsingenieur war ich auch einmal. Aber zugegeben, das ist lange her. Und meine Freunde sagen einfach: Ich bin ein Bauer, der blufft.

Cécile says:

So schön beschrieben, man möchte gleich diesem “Schnüggelnachwuchs” life zusehen 👍😍

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