Welcher Lockdown?

Welcher Lockdown?

Acht Wochen hat der Corona-Lockdown gedauert, haben sie letzthin gemeldet. «Acht Wochen?» habe ich mich erstaunt gefragt, nachgerechnet und konstatiert, dass es stimmt.

Meine Lockdown-Zeit ist wie im Flug vergangen. Keine Spur von Langeweile, keine neue Fremdsprache gelernt, nicht mit Zeichnen begonnen und auch kein neues Musikinstrument ausprobiert.

Ich habe gearbeitet wie immer – als Bauer. Am Morgen die Kühe gefüttert und gemolken, am Abend dasselbe. Tagsüber gekäst oder gezäunt, Fleisch verkauft und eingepackt. Zwischendurch habe ich den Stier geholt, damit er meine Kuhdamen decke. Dann auch den Acker gepflügt und geeggt, Gras gesät und die Weiden geräumt. Wenigstens hat’s meistens für einen Mittagsschlaf gereicht.

Auch im Dorf hat nicht viel an den Lockdown erinnert. Gut, vor dem Volg wies eine Tafel darauf hin, dass nicht mehr als fünf Leute gleichzeitig einkaufen dürfen. Aber mehr als fünf Leute befinden sich normalerweise nur im Laden, wenn gerade ein Klassenlager einkauft.

Auch die Bäckerei war geöffnet, zwar nur am Morgen aber immerhin. Mehr Läden haben wir nicht. Das eine Hotel ist geschlossen und das andere hätte in der Zeit sowieso Ferien gehabt.

Das Leben lief also wie immer – fast wie immer. Auch wir haben Abstand gehalten, wir hatten gar Corona-Fälle im Dorf und die Kinder mussten nicht in die Schule.

Genau, Homeschooling mit meinem Sohn habe ich auch noch gemacht.

Ich bin Bauer – aber nicht nur, Journalist auch – aber nicht nur, Beizer manchmal, Familienvater immer und Ornithologe zum Teil. Ich bin vieles, weil ich die Vielfalt liebe und wohl deshalb hauptsächlich Bauer bin. Denn beim Bauern ist die Vielfalt integrativer Bestandteil. Mit fortschreitender Jahreszeit ändern die Arbeiten und werden meist auch mehr. Ich verarbeite meine Produkte selber, mache Käse nach verschiedenen Rezepten, Würste ebenfalls. Ich pflanze die höchstgelegenen Artischocken an, kultiviere Kartoffeln rarer Sorten, habe auch schon Safran gepflanzt oder Erdbeeren. Einiges davon auch wieder aufgegeben, beim Safran überleg ich mir aber einen nächsten Anlauf. Wirtschaftsingenieur war ich auch einmal. Aber zugegeben, das ist lange her. Und meine Freunde sagen einfach: Ich bin ein Bauer, der blufft.

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