Ich lese, also bin ich

Ich lese, also bin ich

Lasst sie lesen
Als Kind und Jugendliche war ich eine Leseratte.
Während meine Schwestern mit den Nachbarskindern in den Wald gingen, im Strässchen Zirkusaufführungen probten oder Rollschuh liefen, lag ich lesend auf meinem Bett und wollte keinesfalls gestört werden.
Ich verschlang alles, was mir zwischen die Finger kam. Ich weinte als Kind ums Rösslein Hü, schmachtete als Teenager mit «Desiree», dem Schmöker von Annemarie Selinko über die Jugendliebe Napoleon I. und war sehr fasziniert von der verwirrend unbescheidenen Scarlett O’Hara in «Gone with the wind».
Bei Tolstois «Krieg & Frieden» liess ich, zum Missfallen meines Vaters, den Krieg ganz weg und widmete mich stracks dem Frieden mit seinen Liebeswirren und Moskauer Bällen.

Im Bett mit Büchern
Meine frühen Theaterjahre mit Mitte zwanzig, ohne TV und noch ohne Internet, verbrachte ich liebend und lesend in kalten deutschen Altbauwohnungen zusammen mit Virginia Woolf, Paul Auster, Harry Mulisch, T.C Boyle, Margriet de Moor, Haruki Murakami, Siri Hustvedt, Richard Yates, Wiliam Faulkner… schöne Zeiten.

Ich lese immer noch sehr gerne.
Im Alltag kann ich allerdings nicht mehr so haltlos in einem Buch versinken wie früher. Zuviel digitale Ablenkung, ich gesteh’s.
Und warum erinnere ich mich präzise an Bücher, die ich vor langer Zeit gelesen habe, während mir handkehrum der Titel des kürzlich gelesenen Buches entfallen ist?
In den Ferien aber hole ich dann alles nach und lese ohne Unterbruch – meine Familie ist not amused – den ganzen Tag.
Gelegentlich nur hebe ich den Kopf, um übers Meer zu schauen oder um mich rasch im Wasser abzukühlen.

Welt oh Welt
Ich will mich nicht über das Gelesene unterhalten. Ich will ganz alleine sein damit.
Verschliesse ich mich vor der Welt oder erschliesst sie sich mir, wenn ich lese?
Keine Ahnung, beides vielleicht?!
Es geht um den Zustand der Selbstvergessenheit und Selbsterkenntnis zugleich.

Bleib bei mir
Das Schönste ist’s, wenn mich die Figuren des Romans noch lange begleiten, nachdem ich das Buch zugeschlagen habe.
Ich vermisse sie, ich warte auf ihren Rat, will mit ihnen essen und trinken oder begehre sie gar.
Machmal zögere ich das Ende des Buches absichtlich hinaus, in dem ich immer langsamer – oder aber die letzten Seiten mehrmals – lese.
Akut verlieben kann ich mich immer wieder in ein Buch und dessen Autor*in – als wär’s das erste Mal.
Letzen Sommer waren das der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin und die US-amerikanische Autorin Anne Petry – ein grosses Leseerlebnis.
Lest! Lest!: «The Street» von Anne Petry und «Von dieser Welt» von James Baldwin.

Für immer Venedig
Im Gespräch mit einer befreundeten Autorin tauchte die Frage nach der weiblichen Romanfigur auf, die rückblickend meine Identität als junge Frau mitgeprägt hat.
Ohne zu zögern rief ich aus:
Franziska, die weibliche Hauptfigur in dem Roman «Die Rote» von Alfred Andersch!
Das Buch stand im Bücherregal meiner Eltern neben anderen Werken aus der deutschen Nachkriegsliteratur.
Der Roman erschien 1960 und wurde vom gefürchteten Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki in der Luft zerrissen, so dass Alfred Andersch sich veranlasst sah, sein Werk 1972 zu überarbeiten und das Ende der Geschichte offen liess.
Beim erneuten Lesen waren mir die Gefühlslage und Handlungsmotive der Protagonistin Franziska (Sie flieht vor ihrem Mann und ihrem Liebhaber überstürzt nach Venedig, ohne zu wissen, welcher der Beiden der Vater ihres ungeborenen Kindes ist.), ihre Einsamkeit und ihr Streben nach Selbstbestimmtheit, sofort wieder nah.
Venedig – mit nur ein paar Lire, einem Stück Seife und einem Kamm in der Tasche.
Der Rest ist die alte Geschichte vom Mut zum Aufbruch ins Ungewisse und den Sliding Doors im Leben.
Von welchen Romanfiguren wurden Sie beeinflusst?

Ich bin in Bern aufgewachsen, meine Eltern waren Basler. Das heisst, mein Vater war Basler, meine Mutter stammte aus einem italienischen Elternhaus in Basel – eine grosse Familie mit multikulturellem, musischem Import/Export-Hintergrund. Kindheit und 80er Jahre Jugend in Bern – die Freundschaften von damals sind geblieben. Mit zwanzig ging ich in den hohen Norden nach Hamburg auf die Schauspielakademie. Danach Theaterleben mit allem Drum&Dran in verschiedenen deutschen Städten. 2001 kehrte ich in die Schweiz zurück und lebe seither in Zürich. Heimat sind mir die Menschen meines Lebens. Ich spiele Theater, inszeniere, moderiere, spreche, singe, organisiere kulturelle Salons und trete mit meinem Soloabend "Tumulte blonde - ein fast klassischer Diseusenabend" auf. Ich lebe in einer langjährigen Partnerschaft und habe eine 13-jährige Tochter. Pläne schmiede ich selten und Entscheidungen treffe ich schnell. Mein Leben ist immer für eine Überraschung gut.

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“Die Stunden” von Michael Cunningham, wurde später sehr gut verfilmt
“Zeit der Geborgenheit” von Wallace Stegner – wurde erst 2008 ins Deutsche übersetzt und ist eines meiner Lieblingsbücher.
Ich bin ein Fan von Kurzgeschichten ..Richard Russo habe ich kürzlich gelesen.
viel Freude beim Ein-und Abtauchen !
Rebekka

Gerda-Marie says:

Liebe Rebekka, Dein Post weckt Sehnsucht. Wann habe ich das letzte Mal einen ganzen Tag Roman lesend im Bett verbracht? Ist schon eine Weile her. Ich glaube, “Altes Land” mit den Protagonisten Vera und Anne war der letzte Roman, den ich gelesen habe.

Eines der Bücher, die mich in meiner Jugend stark beeindruckt haben, war OWEN MEANY von John Irving. Wie ich überhaupt alle seine Werke verschlungen habe.

Hast Du vielleicht ein paar Empfehlungen für mich?
Herzlichst
Gerda-Marie

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Ich bin ein Fan von Kurzgeschichten ..Richard Russo habe ich kürzlich gelesen.
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Rebekka

Cecile Duenner says:

Nicht das ich zu den grossen Leseratten in meiner Kindheit gehört hätte, da war ich eher mit den Rollschuhfahrern unterwegs, aber du hast mich wieder mit dem “Rösslein Hü” in meine Kindheit katapultiert.
Zur Zeit bin ich ein absoluter Fan von Elke Heidenreich, sie hat mich klar wieder zum Lesen zurückgebracht. Auch trotz all diesen digitalen Ablenkungen, liebe ich Bücher über alles.
Liebe Rebekka, Du, als Bücherwurm, da kann Dir die gröbste und noch so langanhaltende Pandemie nichts antun, bleib dabei!!

Kathrin says:

Danke für die vielen Tipps liebe Rebekka!
Bekomme grad Lust, ENDLICH mal wieder ein Buch zu lesen! Mir gehts genau wie Dir: habe früher ein Buch nach dem anderen verschlungen! In neuerer Zeit dann immer seltener, und wenn, dann gerne Seichtes wie „chick lit“ oder Psychothriller à la „Gone Girl“… 😉

Rebekka Burckhardt says:

comment2myself
Liebe Rebekka
also Du warst auch sehr begeistert von den Neuerscheinungen von drei Schweizer Autor*innen:
“Regenschatten” von Seraina Kobler
“unter offenem Himmel” von Katharina Geiser
und “Was möglich ist” von Werner Rohner

Hast Du vor lauter Blog, lockdown und Vorstellungsausfällen die zuletzt gelesenen Bücher vergessen::)))??!!
herzlich
Deine Rebekka

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