Ice Ice Baby!

Ice Ice Baby!

In den 70er Jahren hat mein Vater jedes Wochenende für sich, meine Mutter und allfällige Gäste Cocktails gemixt. Während eines Praktikums in New York (1963 nannte man das allerdings noch nicht so) lernte er tropische Mixturen wie Mai Tai und Zombie, aber auch Klassiker wie Manhattan kennen und lieben und brachte diese Kultur zurück nach Hause in die Schweiz. Der ikonische Alessi Edelstahl Shaker ist zwar etwas unpraktisch, weil er immer klemmt, aber für mich DIE Erinnerung an die Wochenend-Cocktailparties meiner Eltern. Wir hatten genau ein einziges Eiswürfel-Tablett, das immer frisch aufgefüllt im Eisfach stand und dessen Inhalt gerade mal reichte, um eine Runde Drinks zu mixen.

Ich erinnere mich an die Begeisterung meiner Eltern, als sie dann auf unseren ausgedehnten USA-Roadtrips in den späten 70ern in jeder noch so bescheidenen Unterkunft Eiskübel und Eismaschinen auf dem Flur vorfanden. Zum Reinschaufeln à discretion! Auch unsere Cokes aus dem Automaten waren gleich so viel interessanter „on the rocks“.

Klirrende Eiswürfel machen mir deshalb seit frühester Kindheit gute Laune. Sie sind ein Symbol für Parties mit Freunden, Ausgehen, Spass, Genuss und Ferien.

Eine Steigerung fand meine Obsession für Eis vor rund 30 Jahren während meinem Lebensabschnitt in Japan in einer kleinen Cocktailbar in Tokyo irgendwo im 15. Stock eines Hochhauses in Roppongi, wo Businessmen ihre persönlichen Whiskyflaschen säuberlich angeschrieben lagern konnten, um ihren abendlichen Afterwork-Drink mit Stil zu geniessen. Der Barkeeper schnitzte jeweils für jedes Glas Whisky einen glasklaren, exakt ins Glas passenden Eiskubus von Hand. Alkohol meets Zen, das beeindruckte mich! Heute gibt es auch bei uns immer mehr Hipsterbars, die das Ritual mit dem Eis-Carving zelebrieren, diese sind aber immer noch die Ausnahme. Auf Instagram findet man Erstaunliches unter den Hashtags iceart, iceporn, icecarving oder einfach clearice.

Ich liebe meine Getränke entweder sehr heiss oder sehr kalt. Ich war früher immer neidisch auf Leute, die einen dieser riesigen amerikanischen «Foodcenter»-Kühlschränke in der Küche stehen hatten – mit eingebautem Eiswürfelspender. Bis in die späten 90er für mich der Inbegriff für Luxus, nicht zuletzt auch weil man eine gigantische Küche benötigt, um so ein Ding aufstellen zu können.

Ich begnügte mich – wie wohl 99% der Schweizer Haushalte – mit diversen Eiswürfel-Schalen, Formen und Plastik-Tools, die auf dem Weg in den Tiefkühler immer halb ausleerten und unheimlich viel Platz benötigten. Für einen Cocktail-Fan wie mich war das Resultat dann immer quantitativ zu wenig, die Produktion zu langsam und auch ästhetisch nicht zufriedenstellend, weil oft milchig weiss und unförmig. Zudem platzten die Würfel oft, sobald man sie ins Getränk gab.

Dann erlebte die Schweiz vor etwa zehn Jahren ein Revival der klassischen Cocktails, die Retro-Welle schwappte von den USA via Asien allmählich auch zu uns über. Auf einmal hatte jeder eine Hausbar oder zumindest ein schickes Vintagemöbel mit einigen dekorativen Flaschen drauf. Den Trend früh erkannt und in Zürich lanciert haben die Caterer von Franzoli: Zum rauschenden Fest, das mein Liebster und ich zu unserem gemeinsamen 50. Geburtstag feierten, haben sie uns drei wunderschöne Vintage-Cocktailbars samt Bartender zur Verfügung gestellt. Für mich das absolute Highlight der Party. Dort fielen mir die schönen, klaren und exakt quaderförmigen Eiswürfel auf, die die frisch gemixten Drinks nicht nur perfekt schmecken, sondern auch aussehen liessen. Man verriet mir die Quelle: Der Ice-King! Fortan hatte ich in meinem Tiefkühler immer eine Schublade reserviert für einen Beutel dieser Premium-Eiswürfel.

Mit der Zeit fehlte mir allerdings der Platz im Eisschrank, und ich begann, nach einer Eismaschine für den Hausgebrauch zu recherchieren. Nach einigen Jahren mit dem etwas unansehnlichen Gerät der Marke Tectake, das als einziges mobiles Gerät schöne, kompakte und vor allem klare Quader liefert (keine der grässlichen Hohlkegel!) wusste ich, dass das mit dem Eis keine Phase ist, sondern ich für das Endgame bereit bin: ein Profigerät vom Eislieferant meiner Träume, dem japanischen Hersteller Hoshizaki. Quasi als Weihnachtsgeschenk an uns selber liessen wir vergangenen Monat unser neues Baby in der Waschküche installieren und ans Wasser anschliessen (ja, NICHT in der Küche: Das Ding läuft rund um die Uhr und ist LAUT!).

Nun fragt man sich zu Recht: Wer braucht sowas? Ökologischer Blödsinn, dekadenter Luxus? Nun, mit so einer Eismaschine ist es wie mit einem Ferienhaus: Das braucht auch kein Mensch, aber wenn man eins hat, geht man auch hin. Und freut sich daran.

Und ich habe jetzt halt mein «Perpetuum-Eis» im Keller, es füllt sich laufend nach und bei Nichtgebrauch lässt die Hoshizaki die Würfel einfach schmelzen, um dann wieder frische nachzuliefern. Und plötzlich braucht man Eis für alles: Eisbeutel gegen Hangover, zum Abschrecken von blanchiertem Gemüse, zum verschwenderischen Füllen von riesigen Champagnerkübeln, zum Servieren von Austern und natürlich in jedem Getränk und sei es nur ein schnödes Glas Wasser. Mit meinen neuen schönen Eiswürfeln im alkoholfreien Sanbitter-Negroni lässt sich sogar der bevorstehende Dry January besser aushalten…

LINKS:

Einsteiger-Eismaschine für klare, schöne Eiswürfel:

Das mobile Gerät von Tectake

 

Japanisches Know-how und Perfektion:

Hoshizaki Eismaschinen

 

Vergiss die Eiswürfel von der Tankstelle! Bester Eislieferant (Tipp von Franzoli Catering!):

Ice King

 

Meine liebsten Cocktail-Blogs auf Instagram:

Aus der Bay Area in Kalifornien @theweekendmixologist

Und aus der Schweiz @bestbars.ch

 

 

 

In Zürich geboren und aufgewachsen, habe ich zunächst Japanologie studiert, und als mir das Japanisch Lernen nicht schnell genug ging, wanderte ich Ende der 80er Jahre nach Tokio aus, wo ich schliesslich heiratete, 2 Kinder bekam und 10 Jahre lebte. 1997 kehrte ich mit den Kindern in die Schweiz zurück und lebe seit 2003 mit meinem jetzigen Mann und dem gemeinsamen Sohn wieder in der Stadt Zürich. Aus Interesse für das Reisen absolvierte ich eine Zusatzausbildung in Tourismusmarketing, war Kommunikationschefin eines japanischen Kosmetikunternehmens und arbeitete in verschiedenen PR-Agenturen, wo ich hauptsächlich Beauty-, Lifestyle- und Modemandate betreute. Heute organisiere ich Ärztekongresse, habe mir aber die Begeisterung für Beautythemen, Japan, Reisen und das Schreiben bewahrt. Zudem esse, trinke, koche und mixe ich mit Leidenschaft, Exotisches ebenso wie Bodenständiges. Ich liebe die Popkultur, und das ist mir kein bisschen peinlich.

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