Italia, ti amo

Italia, ti amo

Viele meiner kostbarsten Kindheitserinnerungen verbinden mich mit Italien. Jeden Sommer fuhren wir, Mamma, Papà, Fratello und ich, an die Adriaküste (später alternierend auch mal ans ligurische Meer), um in einem kleinen Bungalow in einem der zahlreichen Lidos zwei bis drei Wochen dem Dolce far niente zu frönen. Certamente: Es gab Kinder an meiner Schule, die viel weiter weg verreisten, an irgendwelche Beaches in Miami oder immerhin nach Gran Canaria. Ich hingegen war bei meinem ersten Flug schon 17. Die sauteuren Flüge konnten wir uns als vierköpfige Familie damals schlichtweg nicht leisten. Aber als Kind war mir egal, welchen Sand ich unter den Füssen hatte. Ich war contenta mit Stockbett, Strand, Meer, den Nachbarskindern und meiner kleinen heilen Welt im Lido von Jesolo oder wo auch immer nur wenige Autostunden von zuhause entfernt, aber gefühlt auf der anderen Seite der Welt. Ein paar Jahre später ergänzten eine Disco und i bellissimi ragazzi meine Ferienwunschliste.

Mein perfekter Ferientag in meiner Adoleszenz? Ausschlafen, an den Strand gehen, Siesta machen, während den heissesten Stunden des Tages ein Panino im Schatten geniessen, Meerwasser, Sand und die Sonnencrème vom Körper spülen, Spaghetti vongole in einem Strandrestaurant essen (und vielleicht einen Schluck Vino von Mamma bekommen), mit einem Gelato in der Hand dem Lungomare entlang flanieren, in die Disco gehen und mit einem Italiener mit rehbraunen Augen flirten. Ich denke mit einer Mischung aus Freude und Wehmut an diese schöne Zeit zurück.

Es wird nie mehr so sein wie damals.

Heute blättere ich durch das tolle Buch «Italian Holidays», das Fotos aus den Achtzigern von den Ragazze e Ragazzi an der italienischen Riviera zeigt, schwelge in Erinnerungen und schreibe diesen Text. Den passenden Soundtrack liefert eine alte Folge «Top of the Pops», die ich nebenbei schaue. Sie zeigt den Auftritt eines One Hit Wonders, das ich längst vergessen hatte. Und da ist sie, die Erinnerung an Follonica 1990. An die letzten gemeinsamen Sommerferien mit der ganzen Famiglia, als ich meine Unschuld an einen ungelenken Italiener verlor. Alberto besuchte mich in Zürich, ich besuchte ihn in der Nähe von Florenz. Die Liebe zu ihm hielt kein halbes Jahr, die Liebe zu Italien ein Leben lang.

Buchtipp I: «Italian Holidays» von Claude Nori. Un estate italiana at its best.

Buchtipp II: «Ein letzter Sommer» von Steve Tesich. Das perfekte Buch für Erinnerungen an die erste grosse Ferienliebe. Meine Sommerlektüre am toskanischen Strand 2021.

Filmtipp I: «Call me by your Name» von Luca Guadagnino. 80s. Lombardia. Prima amore. Chalamet.

Filmtipp II: «Il bisbetico domato/Der gezähmte Widerspenstige» von Castellano & Pipolo. 80s. Roma. Celentano. Muti.

Streamingtipp: «Summertime» auf Netflix. Für den Teenager in mir.

Top of the Pops: Twenty 4 Seven feat. Captain Hollywood «I Can’t Stand It». Lieblingsmusiksendung auf BBC (nur die Retrofolgen aus den 80s und 90s). Und Sommerhit 1990.

Canzone I: «L’ultima Luna» von Lucio Dalla. Einfach weil’s schön ist I.

Canzone II: «Maledetta primavera» von Loretta Goggi. Einfach weil’s schön ist II.

Mein Herz schlägt für die Achtziger, es pocht im Takt von New Order, Talk Talk und Sade. Meine Lieblingsdekade ist meine Berufung: Ich gebe der jüngeren Generation gern weiter, dass der «Breakfast Club» kein Frühstück serviert, sondern einer DER Filmklassiker schlechthin ist. Ich möchte «When the Rain Begins to Fall» zum kulturellen Allgemeinwissen machen und das Jahrzehnt, das meinen Jugendschwarm George Michael zur Pop-Ikone machte, ordentlich würdigen. Nach dem Motto «Forever Young» lege ich darum trotz länger werdenden Regenerationszeiten in einer Zürcher Langstrassen-Bar 80er-Hits auf und rief die Filmreihe «Cocktails & Dreams» ins Leben. Dass ich an den Partys zu den Ältesten gehöre, spielt keine Rolle. Ich liebe es, die Generationen zusammenzubringen. Mein Freundeskreis zählt Endzwanziger bis Silver Agers. Beruflich begann meine Kommunikationslaufbahn Ende der Neunziger als Quereinsteigerin in der Musik- und Filmbranche. Mitte der Nullerjahre wechselte ich auf die Agenturseite und bin geblieben. 2012 gründete ich meine eigene PR- und Kommunikationsagentur, die drei Jahre später und ein weiteres Mal Ende 2019 fusionierte. Nun bin ich Teilhaberin der elliott AG und der «The Silver Magazine»-Herausgeberin SB Agency GmbH. Seit zehn Jahren fungiere ich ausserdem als PR-Delegierte des Zurich Film Festival. Kultur treibt mich um – auch im Hier und Jetzt.

Leave a comment :