Zwischen Zürich und Venedig.

Zwischen Zürich und Venedig

Wenn man sich eine Detox-Zeit wünscht, dann ist man hier genau richtig! Am Ende des Val Müstair, kurz vor Italien, befindet sich Santa Maria. Umhüllt von der Natur spürt man in diesem schönen Dorf mit bemalten Häusern, die schon vieles vor uns erlebt haben, den rauhen Charme der Berge und will sofort das Handy auf die Seite legen, den Business-Alltag vergessen und sich in einem Buch, das man schon lange lesen wollte, vertiefen.

Ich war schon zweimal da, einmal mitten im Winter mit Schnee so hoch, dass mein Sohn, damals 9, kaum mehr hochkam, als er mitten rein hüpfte, um mit seinem Körper einen Schneeengel zu zeichnen. Und einmal war ich im Herbst einige Tage an dem Ort, der einen als Städter daran erinnert, wie schön der Wechsel der Jahreszeiten wirklich ist. Der Grund, weshalb ich zum ersten Mal hingefahren bin, ist ein befreundeter Autor, der sich einen Traum verwirklicht hat. Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern haben sie ein Haus gekauft, das sie als Gästehaus betreiben. Es heisst Haus Parli. Der Freund Tim Krohn, ein begnadeter Autor und lieber Freund.

Obwohl es eine ziemliche Reise ist, ob per Auto oder Bahn, wird man bei Ankunft im Haus Parli unweigerlich ruhig. Man bewegt sich langsamer, denkt länger über Dinge nach, die einen beschäftigen, schaut auch einfach mal aus dem Fenster und staunt über die grossen Schneeflocken oder die bunten Wälder und will raus an die frische Luft. Die Kinder, am ersten Tag gestresst ob der digitalen Einöde, freuen sich plötzlich auf die Wanderung, auf den Spaziergang mit dem Esel, auf das Backen eines Kuchens oder auf eine Schlittenfahrt, wo weit und breit niemand zu sehen ist.

Ankommen, um abzuschalten und auszuspannen.
Der digitale Detox mitten in dieser Abgeschiedenheit ist nicht zu übertreffen. Man will sich unweigerlich von den technischen Geräten distanzieren und zur Ruhe kommen. Die Ablenkung ist weg, man findet endlich die Zeit, um über sich selbst nachzudenken. Und man hat unweigerlich das Bedürfnis danach. Ob das an der Natur, an der Reise dahin oder an den sehr reduzierten, organisierten Freizeitbeschäftigungen liegt, ist nicht relevant. Was sicher auch hilft, ist das frisch gebackene Brot, das die Gastgeber am Morgen in der Küche hinterlegen, das mit viel Liebe gebacken wurde und wie früher bei Mama duftet.

Meine Tipps

Das Haus Parli liegt in Santa Maria im Val Müstair zwischen Zürich und Venedig. Es bietet einzelne Zimmer mit Gemeinschaftsküche und einem Esszimmer mit einer alten Jukebox wie auch eine separate Wohnung an. Alle Räume wurden mit viel Liebe restauriert und eingerichtet. Der Ort ist nicht nur ideal für eine kleine oder längere Auszeit, sondern wird auch oft von Künstler*innen genutzt, um kreativ zu arbeiten. Auch mit einem Team kann man dort perfekt in einer Retraite neu denken. Die Gastgeber organisieren auch immer wieder Schreib- oder Yogaworkshops vor Ort, für die man sich anmelden kann.

Das Tourismusbüro bietet Reiten, Esel oder Lama spazieren führen, Bogenschiessen, im Herbst auch eine Pirsch mit einem Jäger und noch einiges mehr an, falls man doch etwas unternehmen will.

Der Schweizer Nationalpark hat für jedes Fitnessniveau etwas. Mit Familie ist der Naturlehrpfad Margunet zu empfehlen. Nebst dem Beobachten von Gämsen, Bartgeier und anderen wilden Tieren (Mir ist eine Kreuzotter über den Weg geschlängelt, ich bin fast gestorben…) ist es eine wunderschöne Rundwanderung mit beindruckender Aussicht und der idealen Voraussetzung, dass man am selben Ort wieder ankommt, von dem man losging.

Im Winter soll es auch tolle Langlaufpisten geben, auch Skifahren ist möglich und, was ich bestätigen kann, es gibt unberührte Schlittelwege die herrlich sind.

Nicht nur im Haus Parli, auch im Dorf selbst kann man die wachsende Kunstausstellung «Last Exit Eden» besuchen, die erst seit Juli 2020 existiert und von unterschiedlichen Künstler*innen bespielt ist, u.a. mit folgenden Lieblingskünstler*innen von mir wie huber.huber, Christine Camenisch, Johannes Vetsch, Nicole Dunn und Filip Haag.

Eine Leseempfehlung für alle Krimifans sind die Bücher des Autors Gian Maria Calonder. Welcher Autor hinter diesem Pseudonym steht, kann man erahnen. Sie sind so authentisch, als würde der Autor vor Ort wohnen.

Mit etwas Glück kann man die kleinste Bar der Welt besuchen (gemäss Guiness Buch der Weltrekorde 2007), angeglidert an ein Whiskey Museum.

Und falls man mit dem Auto unterwegs ist, lohnt es sich auch, als Reiseabschluss einen Halt in Bad Ragaz zu machen, um im Thermalbad die Glieder von körperlichen Anstrengungen zu entspannen.

In einem 200 Seelen Dorf im Berner Oberland aufgewachsen, zog es mich immer schon in die weite Welt hinaus. Gearbeitet habe ich dann 21 Monate in New Delhi, einige Monate in Wien, Stuttgart und Genf, war on and off immer wieder in der Schweizer Hauptstadt zuhause und weilte auch länger in Texas und Paris. Dass ich nun aber doch schon fast die Hälfte meines Lebens in Zürich verbringe, hätte ich als junges Mädchen nie für möglich gehalten, denn ich fand Zürcher insgesamt zu arrogant und gleichzeitig zu provinziell. In Zürich aber habe ich mich selbständig gemacht, gründete die unterschiedlichsten Firmen, konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen, wurde Mutter, war einmal im Scheidungsgericht und mehrmals im Fernsehen. Ich habe Fails initiiert und Erfolgreiches, gab als Nicht-Akademikerin Unterricht an Fachhochschulen und bin mittlerweile Profi im Umziehen, denn ich tat dies ganze 12mal (privat und geschäftlich) in dieser Stadt. Ich bin eine Optimistin und mag es nicht, wenn Menschen nörgeln und nichts dagegen tun. Mit Literatur und der ironischen Namensgebung «swissandfamous» hat mein unabhängiges Unternehmertum angefangen. Danach folgte die Crowd-Realität mit wemakeit und emotional Storytelling mit letsmuseeum. Dazwischen gab es noch so einiges das ich angepackt, initiert und umgesetzt habe. Mal erfolgreich, mal weniger. Ich bin gespannt, was noch so alles auf mich wartet. Ich bin ja erst 48, da steht einem die Welt noch offen, oder? Das sagen jedenfalls alle Ü50er, und die sollten es ja wissen.

Avatar Renate Stutz says:

Danke für den schönen Beitrag, der einen das Val Müstair nahe bringt & man kann fast die ‚Erholung‘ fühlen!

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